Palaka - Spinone Italiano
Palaka
Wer bist du & wer ist dein Hund?
Ich bin Mona und lebe mit meinem Partner und Palaka in Zürich, mitten in der Stadt und trotzdem sehr nah am Wald, was ich unglaublich schätze. Beruflich bin ich vielseitig unterwegs: Ich arbeite als Dozentin für Musikdidaktik am Institut Unterstrass an der PH Zürich, bin Gebärdensprachdolmetscherin und betreibe zusätzlich eine kleine, aber sehr liebevoll geführte Hundeschule.
Wie alt ist dein Hund & wie lange lebt er schon bei dir?
Meine Hündin ist 9,5 Jahre alt und lebt seit sie ein Welpe ist bei uns.
Welche Rasse ist dein Hund & warum hast du dich für sie entschieden?
Sie ist ein Spinone Italiano. Früher hatte ich immer Irish Wolfhounds, aber dieses Mal wollten wir einen Hund, der etwas kleiner ist, jedoch nicht zu klein. Uns war wichtig, dass die Rasse nicht nur optisch, sondern auch gut in unseren Alltag, passt.
Da wir in einer Mietwohnung leben suchten wir einen Hund, der nicht ständig bellt und gleichzeitig Freude an der Arbeit hat. Ein arbeitsfreudiger, belastbarer Hund, der weder ein "Gispel", noch nervös oder wehleidig ist – das war uns sehr wichtig. Der Spinone Italiano erfüllt für uns all das perfekt.
Wie habt ihr zueinander gefunden?
Immer, wenn ein Hund von mir verstorben ist, habe ich mir ein bis zwei Jahre Zeit gelassen bevor ein neuer einziehen durfte. Der Verlust meiner jungen Hündin, die mit nur neun Monaten gestorben ist, hat mir unglaublich wehgetan, das war eine schwere Zeit.
Durch meine Spinone-Gruppe habe ich dann erfahren, dass ein Züchter in Italien gerade Welpen hatte. Er schickte mir Fotos, und einer dieser kleinen Wollknäuel hat sofort mein Herz berührt. Also machten wir uns auf den Weg nach Italien, um die Zucht persönlich anzuschauen.
Die Bedingungen dort waren typisch italienisch – okay, aber nicht mit den Standards zu vergleichen, die wir in der Schweiz gewohnt sind. Manche würden sich wahrscheinlich an den Kopf fassen, was dort aber als völlig normal gilt: Die Welpen wurden in einem Zwinger mit Betonboden gehalten, dazu gab es eine kleine Hütte als Schutz bei schlechtem Wetter. Ich wusste nicht, ob der Züchter extra vor unserem Besuch geputzt hatte oder ob das der normale Zustand war, aber sauber war es.
Als wir ankamen, hatte er die Welpen nach draußen gelassen. Sie verhielten sich absolut welpentypisch: neugierig, verspielt, nicht ängstlich oder eingeschüchtert. Sie machten insgesamt einen guten Eindruck, was mir sehr wichtig war, was mich beruhigte und freute. Kurz darauf traten wir zu dritt die etwa 18-stündige Heimreise an – und ab diesem Moment gehörte Palaka zu uns.
Was liebst du besonders an deinem Hund?
Ich liebe an ihr, dass sie unglaublich kreativ ist. Besonders schön finde ich, dass sie immer wieder von sich aus Kontakt zu mir sucht, ohne dabei jemals aufdringlich zu sein. Eines meiner liebsten Rituale ist es, wenn ich zu Hause auf dem Bänklein sitze und meine Schuhe anziehe – dann kommt sie jedes Mal zu mir, legt den Kopf hin und möchte gestreichelt werden. Genau das schätze ich so an ihr: Sie ist nicht anhänglich im Alltag, aber sie genießt die Nähe, wenn es ihr danach ist.
Sie kann sich wunderbar selbst beschäftigen und denkt sich gerne etwas aus. In der Bretagne zum Beispiel hat sie Algen durch die Luft geworfen und wieder aufgefangen – völlig in ihrer eigenen kleinen, kreativen Welt. Ihr Gehorsam ist sehr gut, aber sie möchte Dinge, die sie gerade begonnen hat, zuerst zu Ende bringen. Und das zeigt sie mir eindeutig: ein kurzer Blick, der sagt „Gib mir 10 Sekunden und dann komm ich".
Was mich immer wieder zum Schmunzeln bringt, ist ihre Abneigung gegen monotone Wiederholungen. Ein Spinone langweilt sich schnell. Wenn ich eine Übung zu oft wiederhole schaut sie mich nach dem Motto an: „Jetzt reicht’s – lass uns etwas anderes machen.“
Natürlich hat sie auch ihre liebenswerten Marotten. Wenn wir gemeinsam vom Einkaufen nach Hause laufen, möchte sie unbedingt etwas tragen – das hat sie ganz von allein angefangen. Ihr intelligenter Umgang mit sich selbst beeindruckt mich immer wieder. Beim Klingeln darf sie nicht bellen, also holt sie sich ein Spielzeug und kaut darauf herum, um sich selbst zu regulieren.
Sie ist ein tiefenentspannter, unglaublich anständiger Hund, voller Charme und mit dem schönsten Hüftschwung. Menschen, Velos, andere Hunde, Kinder: All das nimmt sie gelassen hin, es stresst sie nicht. Sie geht neugierig, positiv und unermüdlich durchs Leben und zeigt sehr klar, wie es ihr geht.
Was macht deine Rasse aus, Klischees, Wahrheit und Überraschungen?
Sie ist ein Jagdhund und das soll sie auch bleiben (Oder: der Spinone ist ein Jagdhund und soll das auch bleiben). Auch wenn die Rasse aktuell immer mehr Aufmerksamkeit bekommt, handelt es sich nicht um klassische Familienhunde, sondern um echte Arbeitshunde mit Ursprung in der Jagd und der Passion zum Jagen.
Der Spinone gehört zur FCI-Gruppe 7 und lässt sich als Allrounder im Jagdbereich beschreiben: vielseitig, ausdauernd und für unterschiedliche jagdliche Aufgaben geeignet.
Wie sieht euer Alltag aus?
Wir stehen auf, wenn ich richtig wach bin und starten gemeinsam mit einem langen Spaziergang in den Tag. Danach arbeite ich von zu Hause aus und sobald es Mittagessen gibt, macht sie natürlich mit. Am Nachmittag erledige ich je nach Bedarf ein paar Dinge, bei denen sie mich begleiten kann. Anschließend arbeite ich noch etwas weiter und wir machen ein paar kleine Spiele oder Beschäftigungen, damit sie auch geistig auf ihre Kosten kommt. Zwei- bis dreimal pro Woche gehen wir außerdem zum Mantrailen – ein fester Bestandteil unseres Alltags, der uns beiden unglaublich viel Freude macht.
Gab oder gibt es Herausforderungen mit deinem Hund?
Eine Herausforderung ist, dass sie Kot frisst. Das ist immer wieder eine grosse Diskussion zwischen uns beiden. Da es in der Stadt leider häufig vorkommt, dass Menschen ihre Exkremente einfach liegen lassen, ist das besonders ekelhaft.
Typisch Jagdhund: Nach einer halben Stunde im Freilauf sind ihre Hormone so hochgefahren, dass sie wieder an die Leine muss oder eine Pause braucht. Jagdhunde brauchen nach einer gewissen Zeit ganz bewusst eine Unterbrechung. Diesen Moment nicht zu verpassen, ist eine echte Herausforderung. Wenn ich ihn verpasse, steht sie plötzlich stockstill auf dem Feld und wirkt wie in einem Tunnel gefangen.
Eine besonders herausfordernde Zeit war auch die Krebsdiagnose bei Palaka. Das Schwierigste war, zu entscheiden, welche Operationen wirklich nötig sind, was ich akzeptieren kann oder nicht, was ethisch noch vertretbar ist, wo die Grenzen liegen und zu welchem Arzt wir gehen. Das waren 3,5 sehr intensive Jahre für uns alle.
Was war euer schönster gemeinsamer Moment bisher?
Vor zwei Wochen stand Palaka auf einer Wiese, direkt vor ihr drei Rehe. Für einen Moment bekam ich innerlich Panik, aber ich rief sie ab – und sie kam tatsächlich sofort zu mir zurück. Das war ein unglaublich schönes Gefühl. Wenn ich sie rufe und sie mit voller Freude zu mir gerannt kommt, ist sie für mich einfach ein Sonnenschein mit Pfeffer im Hintern. Ich liebe es auch, wie sie mir zeigt, was es in der Natur alles zu entdecken gibt. Ohne sie würde ich wahrscheinlich nur die Hälfte wahrnehmen – Fuchsbauten, Eichhörnchen, Spuren, kleine Besonderheiten überall.
Wenn mein Partner über den Mittag nach Hause kommt und einen Powernap macht, liegen die Beiden immer gemeinsam auf dem Sofa und erholen sich – ein Bild, das mich jedes Mal berührt.
Besonders schön sind auch die Momente, in denen sie ein Problem hat und aktiv meine Hilfe sucht. Und natürlich gehören unsere gemeinsamen Reisen im VW-Bus zu den allerschönsten Erinnerungen, die wir bisher zusammen gesammelt haben.
Was hast du durch deinen Hund über dich oder das Leben gelernt?
Sie zeigt mir jeden Tag, wie wunderschön das Leben ist. Ihre Freude an den kleinsten Dingen erinnert mich immer wieder daran, den Moment zu geniessen und wirklich im Hier und Jetzt zu sein. Ihr tiefes Urvertrauen berührt mich auch jedes Mal aufs Neue.
Ich kann ehrlich sagen: Sie ist der beste Hund, den ich je hatte. Durch sie sehe ich so vieles, das mir ohne sie verborgen geblieben wäre. Sie lebt mir auch vor, für sich selbst einzustehen – etwas, das ich selbst noch lernen möchte und sehr erstrebenswert finde.
Von ihr habe ich gelernt, dass es im Leben nicht nur Schwarz oder Weiss gibt, sondern unzählige Graustufen, die man annehmen muss. Dinge zu akzeptieren, die man nicht ändern kann, und sie auszuhalten – auch das gehört zu den wertvollen Lektionen, die sie mir beigebracht hat.
Dein Tipp für Menschen, die sich diese Rasse anschaffen wollen
Wer sich einen Spinone Italiano anschaffen möchte, sollte unbedingt bereit sein, mit diesem Hund zu arbeiten. Ein Spinone ist ein Jagdhund – und er soll auch einer bleiben. Er ist kein Couchpotato und auch kein gemütlicher Begleiter, der einfach so nebenherläuft. Spaziergänge mit einer Freundin, während man entspannt plaudert, funktionieren mit dieser Rasse schlicht nicht. Wenn du nicht zu 100 % aufmerksam bist, ist er weg – so einfach ist das.
Der Spinone braucht viel Zeit, viel Bewegung und vor allem geistige Auslastung. Er will arbeiten, er soll arbeiten, er darf arbeiten – und er kann es hervorragend. Was er dabei braucht, ist Disziplin, aber keine Härte. Durch ihre liebenswerte Art lässt man sich schnell vom „Jöö-Effekt“ verleiten, doch am Ende bleibt der Spinone ein knallharter Jäger. Ein klarer, zuverlässiger Abruf ist daher das A und O.
Man darf auch nicht vergessen: Der Spinone ist nicht „neugierig auf die Nachbarskatze“ – er bewegt sich in einer völlig anderen Liga. Mit diesem Jagdtrieb und der damit verbundenen Verantwortung muss man umgehen können und wollen.
Mona & Palaka
Schaut gerne einmal bei www.quartierhunde.ch vorbei.

